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Nachbericht der STAEPOLSEL -Veranstaltung

By Archiv

Die Selbstwirksamkeit auch in einer jungen, postmigrantischen Community zu steigern und Migrant*innenorganisationen zu stärken in ihrer Rolle als Mitgestalter*innen einer vielfältigen Gesellschaft, das ist das Ziel des Kooperationsprojektes »Gesellschaft selbstwirksam gestalten – STAEpolSel*« 1 , das das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) und die Iranische Gemeinde in Deutschland (IGD) durchführen. Das Projekt mit einer Laufzeit vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember 2022 wird im Rahmen der »Gemeinwesenorientierten Projekte« (GWO-Projekte) im Themenbereich 1, Teilhabe und Partizipation durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert.

Am 5. November 2020 lud das Projektteam zu einer Online-Diskussionsrunde mit dem Titel »Wie wollen wir benennen und benannt werden« ein. Es kamen 26 Personen zusammen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Frage der adäquaten Begrifflichkeit beschäftigen: Unter den Teilnehmenden waren Vertreter*innen aus der Wissenschaft, aus der Praxis der Migrant*innenorganisationen und der Infrastruktur des Engagements (z. B. Freiwilligenagenturen), aus Kommunen und Bundesverbänden sowie neben den hauptamtlich mit der Thematik befassten Akteur*innen auch junge Menschen, die mit dem Thema durch ihr eigenes Engagement verbunden sind. Die Veranstaltung wurde moderiert von Susan Zare.

Nach der Begrüßung wurde zunächst ein Begegnungsraum für ein Kennenlernen und für einen kurzen Austausch zwischen den Teilnehmenden ermöglicht. Menschen, über die in diversen Diskursen gesprochen wird, aber auch Menschen, die sich beruflich mit dieser Thematik beschäftigen, konnten bei dieser Gelegenheit reflektieren, was die Bezeichnung »Migrationshintergrund« in ihnen auslöst, was ihnen in den bisherigen Diskursen fehlt und was sie sich von der Veranstaltung erhoffen.

Bei diesem Austausch wurde deutlich, dass einige sich mit dieser Bezeichnung, sowohl in der Rolle der Benennenden als auch der Benannten, nicht wohlfühlen. Zudem erhofften sich einige Teilnehmende von der Veranstaltung, eine Alternativbezeichnung mit an die Hand zu bekommen.

Im Anschluss fand ein ca. 30-minütiger Inputvortrag der Referentin Dr. Anne-Kathrin-Will, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität und assoziiertes Mitglied des Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) e. V., statt, die sich der Thematik aus einer wissenschaftlichen Perspektive zuwandte.

Thematisch stellte die Referentin zunächst die Vorgeschichte der Kategorie Migrationshintergrund, die ursprünglich den Begriff »Ausländer*in« ersetzen sollte, sowie den Stellenwert der Kategorie in der Repräsentativstatistik vor und verwies auf folgende Definition:

»Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.« (Statistisches Bundesamt 2019, S. 14)

Hierbei wurde deutlich, dass der Begriff recht umständlich über 10 verschiedene Merkmale, u. a. Staatsangehörigkeit, Geburtsort, Geburtsort der Eltern, Art des Erwerbs der Staatsangehörigkeit (und die der Eltern) usw., operationalisiert wird und die erste und zweite Einwanderungsgenerationen zusammengefasst werden. Die Referentin verwies neben den empirischen Schwierigkeiten, die bei der Operationalisierung auftreten (z. B. Betonung und Unsichtbarmachung von Auslandsbezügen; Hierarchisierung von Deutschen und Nichtdeutschen auf den problematischen Aspekt dieser Bezeichnung auf der symbolischen Ebene, die eine höchst essentialistische ist und Sozialisationsaspekte nicht berücksichtigt (soziale Elternschaft). So ist das Abstammungsprinzip dieser Definition inbegriffen. Denn nur jemand mit deutschen Vorfahren (auf Seiten beider Elternteile) kann per Definition als Deutsche*r gelten.

Frau Dr. Will schlug vor, eher von Migrationserfahrung, als von »Migrationshintergrund« zu sprechen und Menschen nach ihren Zuschreibungserfahrungen zu fragen.

In der anschließenden Diskussion kam die Frage auf, wieso sich der Begriff »Migrationshintergrund« in den Diskursen dennoch so lange trage, wenn dies schon aus wissenschaftlicher Sicht wenig Sinn ergebe und ob die Kategorie insgesamt vermieden werden könne.

Auf diese Fragen hob die Referentin hervor, dass sich dieser Begriff trage, weil der Begriff der Ausländer*in als nicht mehr adäquat empfunden werde. Die so entstehende Lücke werde mit diesem Begriff gefüllt. Der Begriff »Eingewanderte und ihre Nachkommen«, der sich nur auf eine Generation beziehe und von den Neuen Deutschen Medienmacher*innen geprägt worden sei, erscheine ihr als ein passender Begriff. Für Antidiskriminierungsmaßnahmen würde eine Benennungskategorie benötigt und der Begriff »Migrationshintergrund« stünde hier für die Kategorie, mit der umschrieben wird, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen gefördert werden sollte. Daher sei es aktuell noch schwierig, diesen Begriff ganz zu vermeiden.

Einige Teilnehmende verbanden mit dem Begriff eine sachliche Beschreibung und fragten sich, ob der Begriff nicht auch positiv umgedeutet werden könne. Auch solle es weniger an der Politik und Wissenschaft und viel mehr an Menschen, die es betrifft und über die gesprochen wird, liegen, wie sie genannt werden wollen. Auch wurde gefragt, ob es nicht etwas Menschliches sei, dass wir stets nach Kategorien suchen, um Mitmenschen zu lesen: Menschen die Seite 3 von 4 zuvor als Ausländer*in, dann als Migrant*innen bezeichnet wurden, werden heute wiederum als Muslim*innen gelesen, was wiederum problematisch sein könne. Diskutiert wurde daran anknüpfend, ob soziokulturelle Aspekte vor wissenschaftlichen Kategorien in den Mittelpunkt gestellt werden sollten. Andere Teilnehmende äußerten Bedenken, ob Einwanderung oder Mobilität eine ausreichende Kategorie darstelle, um Menschen zu differenzieren, denn Erfahrungen seien sehr heterogen und eben nicht darauf reduzierbar. Auch wünschten sich Teilnehmende Alternativen, weil diese Konstruktion von Menschengruppen zu sehr an dunkle Zeiten in Deutschland erinnere. Sie plädierten für einen Weg aus den Zuschreibungsprozessen. Anstelle von Migrant*in, Post-Migrant*in, Migrant*in 2./ 3./ 4. Generation solle man doch lieber den Menschen an sich sehen. Auch zeigte sich die emotionale Dimension dieses Themas, denn obwohl die Selbstbeschreibung als Deutsche*r oftmals besteht, führen die Fremdzuschreibungen dazu, dass der Migrationshintergrund letztlich übernommen werden muss, was wiederum einen Konflikt mit der Selbstzuschreibung erzeugen kann.

Die Referentin verwies insgesamt in der Diskussion darauf, dass wir eine Benennung nicht vermeiden können, da wir weiterhin benennen müssen, vor allem im Hinblick auf die Erforschung von Diskriminierung. Aber aus ihrer Sicht sollte nur von Einwanderern und ihren Nachkommen gesprochen werden, nicht mehr von der 3. und weiteren nachfolgenden Generationen, da dies stark an Ariernachweise erinnere. Hierin sieht die Referentin Gefahren. Es gelte, zivilgesellschaftliche Stimmen zu sensibilisieren, um zu zeigen, dass es nicht nur ein Gefühl ist, dass sich Leute durch diese Bezeichnung ausgeschlossen fühlen, sondern dass dies tatsächlich passiere. Sie unterstrich, dass aktuell alle Menschen, die einen Auslandsbezug haben, von der Begrifflichkeit umfasst werden, obwohl sie einen deutschen Pass haben und obwohl sie hier geboren sind. Zeitgleich zeige sich, dass wir zukünftig auch hinterfragen müssen, was das Deutsche ist. Eine Frage, die wir uns stellen sollten sei, wie Deutsch und Deutsch+ gleich gesehen werden kann. Eine inklusive Idee von Deutschsein fehlt der Referentin zufolge aktuell noch.

Am Ende einer interessanten Diskussion unter reger Beteiligung äußerten Teilnehmende für eine weitere Veranstaltung den Wunsch, diesen Diskurs breiter zu fassen und die Beziehung von Fremdzuschreibung-, Selbstwahrnehmung und Selbstzuschreibung und die damit einhergehenden Prozesse für die Identitätsbildung aufzugreifen.

Dieser Bericht wurde von Roshanak Roshanbin, Projektmitar
beiterin bei der Iranischen Gemeinde in Deutschland e. V. und Selia Boumessid, Projektmitarbeiterin beim BBE, verfasst.

Bericht über das Ergebnis der Spendenaktion für die Erdbebenopfer im Iran

By Archiv

Bericht über das Ergebnis der Spendenaktion für die Erdbebenopfer im Iran

 

Die iranische Gemeinde in Deutschland (IGD) hat 2019 nach katastrophalen Überschwemmungen in vielen Provinzen des Irans gemeinsam mit 15 weiteren iranischstämmigen Vereinen eine Spendenaktion gestartet. Der gesammelte Betrag i.H.v. 8.105,00 (Achttausend einhundert und fünf) Euro wurde im November 2019 in Teheran an HAMI-Verein, eine iranische NGO, übergeben. Der HAMI Verein plante zu diesem Zeitpunkt Wiederaufbau zerstörter Schulen bzw. Aufbau neuer Schulen mit Spendengeldern im von der Flutkatastrophe betroffenen Provinz Ahvaz.

Laut HAMI Verein ist die gesammelte Spende beim Aufbau des Gymnasiums „Khatere“ für die Mädchen in „Om eltamir“ im Provinz Ahvaz verwendet. Unter folgendem Link können Sie einen Eindruck von Aufbauarbeiten gewinnen.

 

 

Stellungnahme zum islamistischen Terror in Europa

By Presse & Mitteilungen, Pressemitteilungen

Iranische Gemeinde in Deutschland verurteilt auf Schärfste den islamistischen Terror in den letzten Wochen in Frankreich, England, Deutschland, Afghanistan und Österreich. Diese Terrorakte sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ist ein offener Angriff auf universelle Werte der Menschenrechte und Demokratie.

Die Demokratie und junge Menschen mit Mitgrationshintergrund in Gefahr 

Wir beobachten mit zunehmender Sorge den Aufstieg des islamischen Fundamentalismus auf der ganzen Welt, insbesondere in Europa und auch hier in Deutschland. Indem sie sich hinter religiösen Institutionen und Symbolen verstecken und die freiheitlich demokratische Grundordnung in den Aufnahmegesellschaften missbrauchen, versuchen die Islamisten unentwegt, Teile der Migranten-Community und Geflüchteten, insbesondere Jugendlichen, die womöglich unter Diskriminierung, Ausgrenzung und rassistische Übergriffe leiden und sich zum Teil in den tiefgreifenden Identitätssuchprozessen befinden, für ihre hasserfüllten und menschenfeindlichen Gedankengut zu gewinnen.
Ausbau und Entwicklung des Terrornetzwerks in Europa 

Islamische Fundamentalisten versuchen, die Demokratie und die demokratischen Werte in den Aufnahmegesellschaften als Hauptgrund für die rassistischen und diskriminierenden Erfahrungen im täglichen Leben von Einwanderern, insbesondere jungen Menschen ausländischer Herkunft darzustellen. Viel zu lange wurden diese aufrührerischen Bestrebungen aus politischen Gründen und falscher Rücksichtnahme von staatlichen Sicherheitsinstitutionen toleriert. In den letzten Jahren sind viele junge Anhänger aus salafistischen Szenen zum „Islamischen Dschihad“ in Teile des Iraks und Syriens gereist und haben sich dem Islamischen Staat angeschlossen. Nach dem Zerfall des IS kehren jetzt viele Kämpfer nach Deutschland und in andere europäische Länder zurück. Nebenbei werden seit Langem eine Reihe von scheinbar religiösen Institutionen von ausländischen Regierungen in Deutschland als Netzwerk zur Verbreitung von Hass, Antisemitismus, fundamentalistische Ansichten sowie zur Bereitstellung logistischer Einrichtungen für Terroranschläge eingesetzt. Jedes Jahr anlässlich des Al-Quds-Tages finden in Berlin Demonstrationen statt, deren Hauptslogans antisemitische und hasserfüllte Hetze sind. Zusätzlich zu diesen subversiven Aktivitäten wurden in Deutschland und Europa eine Reihe von Wirtschaftsinstitutionen für die Geldwäsche eingerichtet. Auf diese Weise konnten Islamisten ihr Terrornetzwerk in Form religiöser, wirtschaftlicher und politischer Institutionen in Deutschland und ganz Europa ausbauen, was durchaus eine ernsthafte Bedrohung für die Demokratie darstellt. Um diesem Netzwerk zu begegnen, erfordert es eine gemeinsame Anstrengung und ernsthaftes Handeln aller demokratischen Kräfte mehr als je zuvor.

Der Kampf gilt auch gegen Rassismus und Rechtsextremismus

Es sollte betont werden, dass der Kampf gegen den islamischen Fundamentalismus nicht vom Kampf gegen Rassismus und andere extremistische Tendenzen wie Rechtsradikale, neonazistische und faschistische getrennt werden kann, und es ist offensichtlich, dass die Konfrontation mit Islamisten und deren Bekämpfung nicht nur ausschließlich sicherheitstechnisch und politisch zu bewerkstelligen ist. Solange die soziale und kulturelle Grundlage zur Entstehung und Entwicklung islamistisches Gedankengut existiert, kann die einseitige Bekämpfungsstrategie nicht zum Erfolg führen. Die Stärkung und Unterstützung säkularer und demokratischer Institutionen der Einwanderer- und Migranten in Deutschland und Europa sowie die Schaffung einer Perspektive für die Teilnahme am politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturell-pädagogischen Leben, insbesondere für Kinder und Jugendliche ist vermutlich eine der wirksamsten Instrumentarien, den weiteren Zulauf zum islamischen Extremismus zu verhindern.

Ehrenamtler*innen mit Migrationshintergrund im Einsatz für Flüchtlinge

By Archiv

Ehrenamtler*innen mit Migrationshintergrund im Einsatz für Flüchtlinge

 

Seit April 2019 ist die IGD e.V. als einer von fünf Migrantenverbänden in Deutschland im Projekt „Ehrenamtliche mit Migrationshintergrund im Einsatz für Flüchtlinge“ (EEF) der BAGIV tätig. Koordinatorin für die IGD e.V. ist Rachel Clarke. 
10 Flüchtlingsbeauftrate sind in der niederschwelligen Beratungsarbeit tätig und/oder fördern das Selbst-Empowerment bzw. Teilhabe von Geflüchteten aus dem Iran, Afghanistan und anderen Ländern.

Es folgt ein Erfahrungsbericht von Banafsheh Nejati Barogh, EEF Flüchtlingsbeauftragte für die IGD e.V.,

Standort: Chemnitz.

 

Erst die Sorgen überwinden, dann Theater spielen

Ich heiße Banafsche Nejati Barogh und bin ausgebildete Schauspielerin aus dem Iran. Seit zwei Jahren wohne ich in Chemnitz, lerne Deutsch und bin seit März 2020 ehrenamtlich als Flüchtlingsbeauftragte für die IGD e.V. dort tätig. Die Probleme der Neuangekommene in Deutschland kenne ich aus eigenen Erfahrungen.
Man kann nicht darauf warten, bis man die Sprache kann, um Freunde und Anschluss zu finden, da würde man dabei vereinsamen! Und vor allem: Um eine Sprache zu lernen, brauchen wir Austausch in jener Sprache! Anstatt an der Situation zu verzweifeln wollte ich eine Theatergruppe in Chemnitz gründen. Aber mir fehlten noch Kontakte. Also griff ich zum Telefon und sprach mit der Stadt, mit einer Pastorin und mit einer Übersetzerin: Sie waren alle gut vernetzt.  Ich konnte auch einen Raum, die für Vereine zur Verfügung steht, auch mitnutzen.

Bald fand das erste Treffen statt – und ich mich in einer Gruppe von acht Frauen, die unterschiedlich lang in Deutschland gewesen waren.  Sie meinten, sie hätten zu vielen Alltagssorgen und daher zu wenig Muße, um Theater zu spielen.  Also bildeten wir eine Hilfe zur Selbsthilfe Gruppe für geflüchtete Frauen mit Muttersprache Farsi und Dari.

Es stoßen zu unsere Gruppe immer mehr Frauen dazu. Die Gespräche finden auf Deutsch statt, und erklären nur das, was nicht verstanden wurde auf Farsi oder Dari.  Am Ende jeder Sitzung wählen wir ein Thema für die kommende Woche: das könnte zum Beispiel das Grundgesetz, Frauenrechte, Kindererziehung, die Anerkennung von Zeugnissen oder die Job-, Studienplatz oder Ausbildungssuche hier sein.  Jede sammelt wichtige Infos zu diesem Thema im Internet, um sie dann mit der Gruppe zu teilen. Zudem gehen wir auf die Probleme der Einzelne ein.  Die Diskussion wird immer besonders animiert, wenn es um Verhaltens- und Kommunikationsregel hier im Vergleich zum Iran und Afghanistan geht. Als Schauspielerin habe ich natürlich Freude an diesem Thema.

Im März verzweifelte ich noch daran, ob ich jemals eine Gruppe zusammen bekommen wurde: Wie sollte man im Lockdown neue Menschen kennenlernen?! Aber schon im Mai waren so viele Leute dabei, dass ich dafür sorgen musste, dass jede Frau im Online-Gespräch gleich viel Redezeit bekommt.  Wir treffen uns immer weiter – trotz der Kontakteinschränkungen – aber eben online.
Als ich nicht weiter wusste, habe ich die Fühler ausgestreckt und nach Unterstützung gefragt.  Das hat sich in diesem Fall bewährt.

Und eines Tages, wenn die Alltagssorgen überwunden sind, finden wir doch die Muße Theater zu spielen.

 

Zum Welttag der Bürgerbeteiligung

By Allgemein, Presse & Mitteilungen, Pressemitteilungen

 

Die Iranische Gemeinde in Deutschland e.V. (IGD) gratuliert zum Welttag der Bürgerbeteiligung am 18. August 2020.

Bürgerschaftliches Engagement gehört den wichtigsten, konstitutiven Elementen einer Demokratie. Der Welttag der Bürgerbeteiligung soll daher an die zahlreichen Menschen, die sich an politischen und planerischen Entscheidungsprozessen beteiligen erinnern. Politische Beteiligung hat sich gewandelt. Sie ist vielfältiger geworden. Mehr und mehr entstehen Formen, die Bürgern Möglichkeiten eröffnen mitzuwirken und mitzuentscheiden. Neben dem Engagement in politischen Parteien oder dem Wahlrecht bietet sie damit eine weitere Plattform, an Entscheidungen und Projekten mitzuwirken. Breite Beteiligung misst sich nicht an der Anzahl, sondern vielmehr an der breiten Vielfalt der Beteiligung, wenn alle Interessen, die es in einer Gesellschaft gibt, möglichst gut abgebildet sind. Bürgerschaftliches Engagement besitzt in der iran- und afghan­stämmigen, wie auch anderen Migrantencommunities wegen herkunfts­kultureller Prägungen, der politischen Praxis und politischen Kultur andere Konnotationen. Die Divergenzen bezüglich der Bürgerbeteiligung sind jedoch viel geringer, als es diese Beschreibung erwarten lässt. Werte wie Solidarität, Hilfsbereitschaft, Verantwortung und Nächstenliebe, existieren auch in allen Herkunftskulturen dieser Menschen. Und damit auch die Grundlage für die zivilgesellschaftliche Aufgabe und politische Handlungsoption eines mündigen Bürgers.

Die IGD unterstützt die Interessen der Iraner*innen und iranstämmigen Menschen als Teil der postmigrantischen Gesellschaft in Deutschland und hat das Ziel der gemeinsamen Mitgestaltung mit den anderen gesellschaftlichen Akteuren an einer nachhaltigen, solidarischen und gerechteren Zukunft. Wir streben an:

  • Sensibilisieren zum Bürgerengagement der Migrant*innen insbesondere der iran- und afghanstämmigen Communities
  • Ermunterung zu einer gleichberechtigten, demokratischen Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben durch Zugänge und Beiträge zur Stärkung ihrer Debatten- und Streitkultur und Stärkung der politischen Selbstwirksamkeit

 

IGD – STELLUNGNAHME zum Weltflüchtlingstag

By Pressemitteilungen

IGD – STELLUNGNAHME zum Weltflüchtlingstag

 

Die IGD erinnert an den Weltflüchtlingstag, der vor 19 Jahren von den Vereinten Nationen eingerichtet wurde.

Nach dem Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) waren Ende 2019 weltweit annähernd 71 Mio. Menschen auf der Flucht. Mehr als 70% davon sind sog.  Binnenflüchtlinge, also Menschen, Binnenvertriebene, die innerhalb ihres Heimatlandes zur Flucht gezwungen sind. „Anhand dieser Zahlen“, so der Vorsitzende der
Iranischen Gemeinde in Deutschland e.V. (IGD), Ehsan Djafari, „erscheint die Zahl von Menschen, die in Europa und Deutschland in den letzten Jahren Zuflucht gesucht und gefunden haben, als sehr gering“.

Die VN bzw. die UNHCR veröffentlicht zum Weltflüchtlingstag traditionell einen Jahresbericht. Darin wird sie dieses Jahr wiederholt die Weltgemeinschaft an „vergessene Krisen“ und humanitäre Katastrophen wie im Jemen erinnern, weil nach aktuellen Schätzungen des UN-Nothilfebüros (Ocha) im Jahr 2020 rund 168 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sein werden.

Es steht zu befürchten, dass der globale Norden aufgrund der aktuellen Corona-Krise diese Menschen und Krisen noch mehr vergessen wird und noch niemand kann realistisch abschätzen, wie sich die Pandemie auf den globalen Süden auswirken wird“, so Djafari weiter. Wir möchten mit dieser Stellungnahme der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass bei den durch die Pandemie beschleunigten angedachten Paradigmenwechseln der Lebens- und Wirtschaftsmodelle im globalen Norden, auch für den globalen Süden endlich nachhaltige, gerechte und solidarische Maßnahmen ergriffen werden.

 

DMU Projekt in den Medien

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Das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) stellt das IGD-Projekt im Rahmen der Kampagne „Engagement macht stark!“ vor:

Das Projekt der Iranischen Gemeinde in Deutschland e.V. zielt auf die Initiierung eines Wertedialogs mithilfe diverser Begegnungsformate auf Augenhöhe. Mit Blick auf unser zukünftiges Zusammenleben weltweit spielen hier auch Themen wie Klima- und Umweltschutz eine wichtige Rolle.

„Engagement macht stark!“Deine Werte. Meine Werte. Unsere Werte. Ein Wertedialog auf Augenhöhe.

IGD – STELLUNGNAHME zum Internationalen Kindertag

By Pressemitteilungen

In Zeiten einer Krise wie derzeit, dürfen wir nicht die mit vulnerabelste Bevölkerungsgruppe überhaupt – die Kinder- vergessen“, so der Vorsitzende der Iranischen Gemeinde in Deutschland e.V. (IGD), Ehsan Djafari in seiner Stellungnahme zum Internationalen Kindertag am 01.06.

Bis ins Jahr 2018 feierte man in westdeutschen Bundesländern den Weltkindertag am 20.09 und in ostdeutschen Bundesländern in der Tradition des sozialistischen Ostblocks
geschuldet den 01.06. als Internationaler Kindertag. Glücklicherweise wird nun seit zwei Jahren bundesweit beider Feiertage gedacht, zumal „Kinder das höchste Reichtum der Menschheit sind, und eigentlich jeden Tag des Jahres wir uns für Kinder und deren Rechte einsetzen müssten“, so Djafari weiter.

Und wie stellt sich die Situation der Kinder derzeit weltweit dar? Trotz der im Jahr 2016 deklarierten globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals-
SDGs), die bis zum Jahr 2030 erfüllt sein sollen, sind Kinder im Globalen Süden weiter am stärksten von der Armut und Ernährungsengpässen betroffen. Und Bildung für alle bzw. gleiche Qualität in der Bildung für alle ist auch im globalen Norden nicht immer garantiert. In der aktuellen Krise werden wir Zeugen längst überfälliger Debatten über die digitalen (Nicht)Kapazitäten unserer Schulen. Kinderarmut ist auch durch die Schließung der Tafeln und Kinderhorte stark in den Fokus der Debatte gerückt.

Den Internationalen Kindertag möchte die IGD nutzen, um an die Verantwortung der Erwachsenen für nachhaltiges Wirtschaften, die Eindämmung des Klimawandels, Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Ozeane sowie aller Ökosysteme und den Schutz der biologischen Vielfalt zu appellieren. Wir, die Generation der Eltern und Großeltern, sind angehalten, dem achtlosen Umgang mit der Erde und ihren Ressourcen Einhalt zu gebieten, um unseren Kindern und Kindeskindern ein Weiterleben auf diesem Planeten
zu ermöglichen. Die IGD hofft, dass die globale Corona-Krise hier wie in vielen anderen Bereichen als Beschleuniger längst überfälliger Entwicklungen wirken könnte.

 

Zum Tag des Grundgesetzes

By Allgemein, Presse & Mitteilungen, Pressemitteilungen

Am 23. Mai vor 71 Jahren hat der Parlamentarische Rat in Bonn das Grundgesetz verkündet. Die Iranische Gemeinde in Deutschland e.V. (IGD) gratuliert zum diesem wichtigen Jahrestag. Dem Grundgesetz komm in diesen Tagen eine noch zentralere Rolle zu.

Obwohl es anfänglich „nur“ als Provisorium gedacht war und im Auftrag der drei westlichen Besatzungsmächte ausgearbeitet wurde, hat es sich längst als Fundament der deutschen Demokratie bewährt; es stand auch Pate für verfassungsgebende Prozesse in anderen Ländern der Welt. Die IGD hatte im vergangenen Jahr anlässlich des 70. Jahrestages des Grundgesetzes eine dreitägige Fahrradtour in Berlin und Brandenburg durchgeführt, um auf die Bedeutung des Grundgesetzes auch gerade für Zugewanderte und Migrant*innen hinzuweisen. Für nicht wenige Zuwanderer*innen und Migrant*innen ist Deutschland das Ziel ihrer Träume, weil sie in einem Land Leben wollen, in dem sie auf die in der Verfassung garantierten Grund- und Menschenrechte auch Anspruch erheben können, bzw. als verfassungsrechtlich garantierte Rechte des Bürgers gegen den Staat diese ggf. auch einklagen können.

Grundrechte wie die Unantastbarkeit der Würde des Menschen (Art. 1), freie Entfaltung der Persönlichkeit und körperliche Unversehrtheit (Art. 2), die Gleichheit aller Menschen (Art. 3), Glaubensfreiheit (Art 4.) und Meinungsfreiheit (Art. 5) sind Rechte, die auf der einen Seite zwar garantiert sind, sie müssen aber auch immer wieder eingefordert und verteidigt werden.

Dazu kommen dann Dilemmata wie das schon vor 50 Jahren vom Rechtsphilosophen Ernst-Wolfgang Böckenförde formulierte Diktum, dass der freiheitliche, säkularisierte Staat von Voraussetzungen lebe, die er selbst nicht garantieren könne.

Wenn in diesen Zeiten der Pandemiebekämpfung Grund- und Freiheitsrechte eingeschränkt werden, ist es wichtig, dass die Politik dies empathisch erläutert und begründet. Auch wenn die meisten Menschen dem eingeschlagenen Pfad folgen, muss die Gesellschaft mit der Politik im Dialog bleiben. „Wir sehen mit Besorgnis“, so der Vorsitzende der Iranischen Gemeinde in Deutschland, Ehsan Djafari, „dass legitime Protestkundgebungen in Pandemie-Zeiten, die vom Grundrecht der Meinungsfreiheit Gebrauch machen, auch missbraucht werden“. Nun ist es grundrechtlich jedem selbst überlassen Verschwörungstheorien zu glauben und zu verbreiten, wenn diese Proteste aber von anderen demokratiegefährdenden Strömungen unterwandert werden, muss man genau hinschauen.