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1. Mai als Tag der Arbeit

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Anfang 1886, fast genau 30 Jahre nach der Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien riefen die nordamerikanischen Handel- und Arbeitergewerkschaften zu einem mehrtägigen Generalstreik auf. Hauptgründe waren die schlechten Arbeitsbedingungen und die ungerechte Bezahlung der Industriearbeiter. Seitdem wird jedes Jahr in vielen Ländern an diesem Tag als Tag der Arbeit erinnert und zur Solidarität, sozialen Gerechtigkeit und Chancengerechtigkeit für die arbeitenden Menschen aufgerufen. 135 Jahre später gibt es weiterhin vielerorts, wo die Rechte der arbeitenden Menschen unter anderem auch im Iran nicht hinreichend gewahrt werden und jeder berechtigte Protest rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Dieses Jahr steht der 1. Mai im Zeichen der Pandemie. Die Lohnabhängigen haben mit Massenentlassungen, Kurzarbeit, Union Bussing, hohen Mieten und erhöhten Lebensmittelpreisen zu kämpfen. Menschen, die in den prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind und ein geringes Einkommen beziehen, können kaum von ihrem Kurzarbeiter: innengeld leben und sind auf Grundsicherung angewiesen. Fast jede:r Fünfte ist laut Umfragen im Niedriglohnsektor beschäftigt. Insbesondere sind Menschen mit Migrationsbiografien davon betroffen und werden auch oft als Leiharbeiter:innen oder über Werkverträge zu Dumpinglöhnen beschäftigt.

Auch die iranische Community spürt die Auswirkungen der Pandemie: Viele mussten sich im Arbeitsumfeld neuen Herausforderungen stellen oder in Kurzarbeit gehen. Einige haben gar ihre Jobs verloren. Unter iranischstämmigen Studierenden sorgt die Pandemie auch für große Schwierigkeiten in Bezug auf ihre Nebenjobs, mit denen sie oftmals ihren Studienaufenthalt in Deutschland finanzieren müssen.

Diese Pandemie zeigt auch, wie eklatant die Schere zwischen arm und reich weiter auseinanderklafft. Während ganze Branchen von Insolvenz bedroht sind, gibt es Krisengewinner, die sich in dieser Situation zum Teil unermesslich bereichert haben.

Es ist jetzt wirklich an der Zeit, in diesen epochalen Transformationszeiten nochmals die Frage zu stellen, in welcher Gesellschaft wir in der Zukunft zusammenleben wollen, in einer solidarischen, gerechteren, nachhaltigen mit Chancengleichheit, ohne Rassismus und Diskriminierung oder in einer unsicheren, vom Neuliberalismus (“Kapitalozän”) geprägten unsicheren Gesellschaft?
Über die Iranische Gemeinde in Deutschland e.V.

Die Iranische Gemeinde in Deutschland e.V. (IGD) ist ein bundesweit agierender Verein der iranischen und Iran-stämmigen Community, der im Jahr 2010 in Berlin gegründet wurde. Die IGD setzt sich satzungsgemäß u. a. für die Stärkung der Interessen von in Deutschland lebenden Menschen iranischer Herkunft und deren stärkere Integration sowie Partizipation ein. Der Verein ist unabhängig, überparteilich, überkonfessionell und an säkularen Werten orientiert.

Gedenktag des persischen Dichters, Omar Khayyam

By Allgemein No Comments

Heute, den 18. Mai ist der Gedenktag des persischen Mathematikers, Astronom und Dichters, Omar Khayyam (1048 – 1123). Die Iranische Gemeinde in Deutschland hat Dr. Mahmood Falaki, den deutsch-iranischen Schriftsteller und den Autor des Buches, ”Khayyams Weltsicht” zu diesem Tag interviewt:

Omar Khayyam ist als Dichter, Mathematiker und Astronom bekannt. Was haben diese Themen miteinander zu tun?

Khayyam wurde in seiner Zeit vor allem als Mathematiker geschätzt. Er war als Astronom und Astrologe im königlichen Observatorium des seldschukischen Sultan Malik Schah tätig, glaubte aber nicht an Horoskope, nicht dass die Sternbilder Wirkung auf das Schicksal der Menschen haben. Er selbst veröffentlichte zu seinen Lebzeiten seine in Form von Vierzeilern (robā’īyāt) verfasste Dichtung nicht. Denn er musste fürchten, wegen skeptisch-frivoler Freigeisterei von der Geistlichkeit als Ketzer verdammt zu werden. Wahrscheinlich präsentierte er seine Poesie nur in einem sehr engen, gleichgesinnten Freundeskreis.

Sein Ziel war nicht, als klassischer Dichter Poesie zu verfassen. Für ihn war diese vierzeilige, kürzeste persische Gedichtform ein Mittel, um seine Gedanken, seine überwiegend skeptische Haltung und die Suche nach diesseitigem Lustgewinn und Sinnesgenuss, darzustellen. In seiner Zeit wurde er nicht als Dichter wahrgenommen. Etwa ein Jahrhundert später, als einige seiner Vierzeiler veröffentlicht waren, wurden manche Denker und Dichter auf ihn aufmerksam und er allmählich auch als Dichter anerkannt.

Es gibt eine besondere Verbindung und Wechselwirkung zwischen Khayyams wissenschaftlichen Arbeiten und seiner Art der Dichtung. Als Wissenschaftler musste er natürliche Phänomene rational recherchieren und mit der Präzision des Mathematikers erklären. Es gelingt ihm, unter Einfluss der griechischen Philosophie, dies in Ontologie umsetzen. So konnte er manche natürlichen Phänomene, nicht mit Hilfe religiöser Mythen, sondern mittels rationaler Gedanken veranschaulichen, sogar die Ausschließlichkeit der religiösen Interpretation von der Erschaffung der Welt in Frage stellen. Er dichtet z. B.:

Khayyam, wer sagte, dass es eine Hölle gibt?
Wer stieg zur Hölle, wer kam wieder aus dem Paradies?

Man muss wissen, dass zu Khayyams Lebzeiten und auch noch lange später, das Unterrichten von Naturwissenschaft und Philosophie, besonders der griechischen Philosophie, verboten war. Um Klerikern und Sufisten keine Angriffsfläche zu bieten, verfasste er deshalb seine Weltsicht nicht in Prosa, wie seine anderen, veröffentlichten Werke, sondern in Gedichtform, fast einer Art Aphorismen, ohne sie Publik zu machen.

 

Welche Gedanken und Aspekte von Khayyam wurden im Westen weniger oder gar nicht dargestellt?

Mit Beginn der Epoche der Aufklärung im Westen, wollten Wissenschaftler, insbesondere Philosophen, natürliche Phänomene und Ereignisse rational erklären. Khayyam wurde als Mathematiker, Autor einer langen Zeit vorherrschenden Werkes der Algebra wiederentdeckt, der u.a. die Lösung kubischer Gleichungen und das Pascalsche Dreieck bereits im 11. Jahrhundert fand. Im Laufe der weiteren Entwicklung der modernen Mathematik aber geriet Khayyam allmählich wieder in Vergessenheit.

Erst als der romantische englische Dichter Edward FitzGerald, Mitte des 19. Jahrhunderts, die dem Zeitgeschmack entsprechenden Vierzeiler Khayyams ins Englische übertrug und kongenial nachdichtete, wurde Khayyam im Westen, besonders den anglo-amerikanischen Ländern, als Dichter bekannt.

In Deutschland wurden einige Vierzeiler um 1818 von Hammer-Purgstall übersetzt. 1827 legte Friedrich Rückert einige Nachdichtungen vor. Aber Kayyam wurde damals nicht, wie andere bekannte persische Dichter, geschätzt. In Goethes „West-östlicher Divan“ (Erstauflage 1819) ist von Khayyam keine Rede, obwohl Goethe außer Hafis’ weitere persische Literatur kannte und sie, besonders das sogenannte „Siebengestirn“ der persischen Dichter (Hafez, Firdausi, Nezami, Rumi, Sa`di, Anwari und Dschami), in seinen Divan ein und mithin umarbeitete. Goethe rühmt die persische Dichtung derart, als sähe er in ihr seine Wunschvorstellung von der Dichtkunst verwirklicht: „Die Fruchtbarkeit und Mannigfaltigkeit der persischen Dichter entspringt aus einer unübersehbaren Breite der Außenwelt und ihrem unendlichen Reichtum.“ Jedoch hat er aber kein Wort über Khayyam verloren und dieser ist auch heutzutage in der anglo-amerikanischen Welt bekannter als in anderen westlichen Ländern.

 

Khayyam ist für seine Vierzeiler am bekanntesten. Wenn Khayyam die Vierzeiler nicht geschrieben hätte, hätten wir ihn auch als Mathematiker und Astronomen gekannt?

Nein! Obwohl er im Auftrag des Sultans mit seinen Kollegen den Sonnenkalender erstellte, auf den der gegenwärtige iranische Kalender beruht und seine mathematischen Lösungen weltbekannt waren, sind sie inzwischen historisch und wie bereits vorher erwähnt, von der modernen Mathematik überholt.

Der Inhalt seiner etwa 80 Vierzeiler jedoch ist immer noch aktuell und wird nicht nur aufgrund der allgemeingültig weltlich menschlichen Themenwahl hoch bewertet, auch die gewählten stilistischen Mittel und die subtile Sprache seiner Vierzeiler-Dichtung sind herausragend.

 

Welche Bedeutung hat Khayam für Sie?

Meiner Ansicht nach sind Khayyams Verse aktueller denn je. Betrachtet man die steigende Neigung von Menschen auf der ganzen Welt, sich religiösen Mythen zuzuwenden und auch das Wiederaufleben der Islamisten, ist Khayyams Weltanschauung, die gegen Aberglauben und Fanatismus und für Toleranz, Vernunft, Lustgewinn und Sinnengenuss steht, gegenwärtig sehr wichtig. Aus eben diesem Grund habe ich ein Buch über „Khayyams Weltsicht“ verfasst.

 

Zitieren Sie uns am Ende einen Satz oder einen Vierzeiler von Khayyam.

„Trink Wein, denn das Firmament führt
deine und meine Zerstörung im Schilde;
setze dich ins Grün und trink klaren Wein,
denn dieses Gras wird reichlich aus deinem und meinem Staube wachsen.“

می‌ خور که فلک بهر هلاک من و تو 
قصدی دارد بجان پاک من و تو
در سبزه نشین و می روشن میخور
کاین سبزه بسی دمد ز خاک من و تو

 

Strukturförderung von Migrantenorganisationen

By Laufende Projekte

Die IGD wird seit Dezember 2017 im Rahmen der Strukturförderung von Migrantenorganisationen vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) sowie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert. Ziel dieser Förderung ist bis 2020 der Aufbau einer Geschäftsstelle, der bundesweite Ausbau sowie die Professionalisierung der Vereinsstrukturen und Aktivitäten. Darüber hinaus beabsichtigt die IGD das Potential Ehrenamtlicher auszuschöpfen sowie durch diverse weitere Projekte und Förderungen die Integration eines jeden Einzelnen, vor allem iranisch- und afghanischstämmiger Menschen, zu befördern. Weiterhin bietet die IGD Multiplikatorenschulungen und Workshops für Vereine, vorrangig iranisch- und afghanischstämmige Vereine an, um diese weiterzubilden und zu professionalisieren.

Neben der IGD wurden 6 weitere Migrantenorganisationen unterstützt. Die Migrantenorganisationen sind als ideale Partner*innen für politische Akteure und Zivilgesellschaft sowie als Brückenbauer unerlässlich, um die Integrationsarbeit in Deutschland voranzutreiben. Sie stehen wie die IGD in Kontakt zu politischen Entscheidungsträger*innen einerseits und verstehen andererseits die sprachlichen und kulturellen Codes der eigenen Community.

Förderermittelgeber & Partner

Ansprechpartnerin

Mi-Jin Busse, Geschäftsführerin

Mi-Jin Busse ist seit Mitte März 2021 als Geschäftsführerin zur IGD gestoßen und wird nach einer umfangreichen Einarbeitung ab Juni 2021 die Geschäftsführung alleinverantwortlich übernehmen. Sie hat in Göttingen, Münster und Kairo Iranistik und Arabistik/Islamwissenschaft studiert. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in verschiedenen Bereichen der Migrations- und Integrationsbereich u. a. in Jordanien. Ihre Schwerpunkte sind Demokratiestärkung und Förderung benachteiligter Gruppen.

Tel.: 030 235 895 89
E-Mail: mi-jin.busse@iranischegemeinde.de

Zum Internationalen Tag der Muttersprache

By Pressemitteilungen

Die Iranische Gemeinde in Deutschland e.V. (IGD) gratuliert zum Internationalen Gedenktag der Muttersprache am 21. Februar 2021.

Die UNESCO hat diesen Tag im Jahr 2000 vor dem Hintergrund ausgerufen, dass fast die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht ist. Zur „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“ soll mit diesem Gedenktag weltweit insbesondere an Minderheitensprachen, die von weniger als 10.000 Menschen gesprochen werden, erinnert werden. Der Gedenktag geht zurück auf Proteste, die am 21.02.1952 in Pakistan Tote forderten, nachdem die Regierung „Urdu“ zur alleinigen Amtssprache erhob, obwohl nur für 3% der Einwohner Pakistans diese Muttersprache war.  

Die IGD möchte deshalb aus dieser historischen Entwicklung resultierend auf drei folgenden von uns bereits mehrmals kommunizierten Anregungen aufmerksam machen:

  1. In einer Gesellschaft mit 25% Einwohner:innen mit Migrationsbiografie ist die Verwendung und Förderung der Muttersprache neben dem Deutschen besonders wichtig. Aus Sicht eines Bundesverbandes von Migrantenorganisationen wollen wir auf die Bedeutung von Fremdsprachenunterricht und Mehrsprachigkeit als Schlüssel einer besseren Integration und Partizipation sowie als Beitrag zum besseren gegenseitigen Verständnis und eine Bereicherung der kulturellen Vielfalt hinweisen.

  2. Als Menschen, deren Muttersprache Persisch ist, wollen wir eine weitere Anerkennung des Persischen in den Lehrplänen deutscher Schulen und für Persisch als Wahlfach wie in Hamburg befördern.

  3. Als Iraner:innen und Iranischstämmige tragen wir die Erfahrungen eines  multilingualen und multiethnischen Staates in uns und möchten hiermit an die vielen im Iran und der Region gesprochenen Sprachen erinnern.

Neue Perspektiven wagen – Digitaler Erzählsalon …

By Presse & Mitteilungen, Pressespiegel No Comments

Mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland kamen beim Erzählsalon am 18. Februar 2021 digital zusammen, um gemeinsam Kultur als konstitutives Element der Völkerverständigung zu erleben und zu diskutieren. Die Iranische Gemeinde in Deutschland e.V. (IGD) organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit dem Deutsch-Iranischen Verein für Stadt und Landkreis Kaiserslautern e.V. (DIVKL), dem Bildungsbüro der Stadt Kaiserslautern und dem Sujet-Verlag. Der Erzählsalon war als „Wertedialog" Teil des Projekts „Deine Werte – Meine Werte – Unsere Werte", das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert wird.

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Zum Jahrestag des Terroranschlags in Hanau

By Allgemein, Presse & Mitteilungen, Pressemitteilungen

„Es gibt kein Wort für das, was ich bin, für den Schmerz, den ich fühle.“

Nicolescu Păun

„Wenn deine Eltern sterben, bist du eine Waise. Wenn deine Frau stirbt, ein Witwer. Wenn dein Sohn stirbt, bist du niemand.“

Vater von Vili Viorel Păun, einem der Opfer des Anschlags in Hanau vom 19. Februar

(https://taz.de/!5714888/)

Ein Jahr ist seit dem rassistischen Terroranschlag in Hanau vergangen. Am 19. Februar letzten Jahres hat ein Rassist und Rechtsextremist an zwei verschiedenen Orten in Hanau neun Menschen mit Migrationsbiografie erschossen. Wir als Iranische Gemeinde in Deutschland sind nach wie vor in tiefer Trauer und fühlen mit den Familien und den Angehörigen der Opfer. Genau wie sie sind wir wütend über diesen menschenverachtenden Angriff. Dass die Familien und Angehörigen der Opfer seitdem nicht nur unter Schock stehen, sondern sich bis heute noch mit vielen Fragen beschäftigen müssen, auf die sie bis jetzt keine Antwort erhalten haben, ist unbegreiflich.

„Es zwingt uns ein Jahr nach diesem schändlichen Attentat weiterhin mit Nachdruck und Intensität eine gesellschaftliche Debatte darüber einzufordern, wie wir dem Phänomen (struktureller) Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit, „Sinti und Romafeindlichkeit“ und einem vergifteten Klima voller Hass, Hetze und zum Teil entmenschlichte Debattenkultur begegnen wollen“, so Ehsan Djafari, Vorsitzender der Iranischen Gemeinde in Deutschland.

Im vergangenen Jahr mussten wir mit großem Entsetzen erfahren, dass mehrere – Chatgruppen mit rassistischen und rechtsextremistischen Inhalten in den Reihen der Polizei aufgedeckt wurden. Die Verbreitung von Morddrohungen mit der Unterzeichnung der NSU 2.0, die nach allem, was wir wissen, aus der Reihe der Sicherheitsbehörden stammen, verunsichern weiter viele Menschen mit Migrationsbiografie. Diese und viele weitere Ereignisse zeigen eines: Die Bedrohungslage bleibt ernst und die Anzahl der rassistisch motivierten Anschläge nimmt zu und die Gewaltbereitschaft der Rechtsextremisten wächst. Wir beobachten diese Entwicklungen mit großer Besorgnis und werden dagegen kämpfen, damit ein Anschlag wie in Hanau nicht wieder geschehen kann.

„Es geht letztendlich nicht nur um die Bürger:innen dieses Landes mit Migrationsbiografie, es geht vielmehr um Bestand der freiheitlichen und liberalen Demokratie Deutschlands“ , so Djafari weiter. Wir als Iranische Gemeinde werden als Migrant:innenorganisation unsere Stimme vor allem gegen jede Form von Rassismus und Rechtsextremismus erheben. Wir sehen uns dazu in der Pflicht. Die Familien und Angehörigen des Terrors in Hanau müssen gehört und unterstützt werden.

Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin. Ihre Namen werden wir nicht vergessen. Wir von der IGD gemeinsam mit der Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen solidarisieren uns mit den Angehörigen der Opfer und den Überlebenden und schließen uns vollständig den Forderungen der Initiative 19. Februar nach Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen an.

Über die „Initiative 19. Februar Hanau“ können auch Sie die Familien der Opfer unterstützen: https://19feb-hanau.org/spenden.

Zum Gedenktag zur Befreiung von Auschwitz

By Presse & Mitteilungen, Pressemitteilungen No Comments

Als wir dieses KZ betraten, hatten wir schon alle Schrecken des Krieges gesehen. Wir erlaubten uns keine Atempause, wir hatten keine Zeit zu weinen.“ Das sind die Worte von Iwan Martynuschkin, der als 21-jähriger Rotarmist am 27.01.1945 bei der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz mitwirkte.
Quelle: Tagesschau (Befreiung von Auschwitz, 27.01.2020)

76 Jahre sind seit der Befreiung von Auschwitz vergangen. Viele hochbetagte Zeitzeugen dieses schrecklichsten Zivilisationsbruchs der Menschheit überhaupt erzählen ihre Geschichte weiter. Sie rütteln damit nachfolgende Generationen wach, damit sie die Gefahren von Rassismus, Antisemitismus, Totalitarismus und Faschismus schon im Anfangsstadium erkennen. Leider gibt es immer weniger Zeitzeugen, denen diese wichtige Arbeit der Aufklärung und Warnung vergönnt ist.

Gerade in der heutigen Zeit, in der wir weltweit wieder einen Anstieg von Populismus und Autoritarismus und in Deutschland ein Wiedererstarken des Antisemitismus mit einer eklatanten Zunahme antisemitisch motivierter Straftaten beobachten, ist es wichtig, das Gedenken an die Befreiung von Auschwitz in Erinnerung zu halten“, so Ehsan Djafari, Vorsitzender der Iranischen Gemeinde in Deutschland. „Es ist inakzeptabel, dass sich Juden heute in Deutschland nicht sicher fühlen und viele selbst 90-Jährige an eine Übersiedlung nach Israel denken“, so Djafari weiter.

Helmut Kohl hatte in den 1980er Jahren den Ausdruck „Gnade der späten Geburt“ geprägt und wollte damit zum Ausdruck bringen, dass nach 1930 Geborene nicht für die Gräuel des Nationalsozialismus verantwortlich gemacht werden können. Auch wenn diese Generationen frei von schuld sind, so sind sie zumindest aufgefordert, die Auseinandersetzung mit diesen grausamen Wahrheiten der deutschen Geschichte immer wieder einzufordern und zu verhindern, dass sie in Vergessenheit geraten.

Die Bürger dieses Landes sind dazu aufgefordert, sich gegen die Zunahme antisemitisch motivierter Straftaten sowie rechtsradikaler und völkischer Parolen in Deutschland zu wehren. Gerade in Situationen des Alltags gilt es, couragierter diesen Aussagen entgegenzutreten. Alleine schon aus dem Grund, weil wir nicht zulassen können, zu Mitläufern und Mittätern zu werden, zu einer stillschweigenden Mehrheit.

Vor diesem Hintergrund sieht die Iranische Gemeinde in Deutschland in der fortlaufenden Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und in der Stärkung der Erinnerungskultur wichtige gesellschaftspolitische Aufgaben, denen sich die Zivilgesellschaft und gerade auch Migrantenorganisationen stärker widmen müssen.

Narrative der Berliner Migrationsgeschichte

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Iranischstämmige Künstler, Literaten und Kulturschaffende als Narrativ der Berliner Migrationsgeschichte

Die IGD hat das Projekt “Flucht gestern und heute – Iranischstämmige Künstler, Literaten und Kulturschaffende als Narrativ der Berliner Migrationsgeschichte” initiiert. Das Projekt wird durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa im Rahmen der Förderung zeitgeschichtlicher und erinnerungskultureller Projekte 2019 gefördert.

Warum ist das Thema für uns und auch für die deutsche Migrations- und Integrationspolitik spannend?
Spricht man in Deutschland und Berlin von Migration, so treten oft die Bilder der Arbeitsmigration und die Schicksale der Arbeitsmigranten aus den 1960er Jahren in den Vordergrund. Dabei ist die klassische Arbeitsmigration aus diesen Jahren heutzutage längst einer modernen Form von Mobilität gewichen. Unter Einfluss der aktuellen Flüchtlingsbewegungen weltweit und in Europa möchte die IGD mit diesem Projekt einen Beitrag zu einer differenzierten Sicht von Mobilität und Migration unter Gesichtspunkten der Diversität leisten.

Berlin ist nach Hamburg und NRW einer der Hot-Spots in Deutschland, in denen zahlenmäßig die meisten Iraner*innen leben. Die Iran-stämmige Bevölkerung in Berlin wird nach offiziellen Berechnungen mit bis zu 25.000 Menschen beziffert. Im Mittelpunkt dieses Projekts steht die Lokalisierung von Kunst- und Kulturschaffenden Berliner*innen mit sogenanntem, iranischstämmigen Migrationshintergrund. Interviews mit 15-25 Personen dieser Gruppe sollen multimedial in Form einer Wanderausstellung aufbereitet und in einer Ausstellungseröffnung im November 2019 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Fördermittelgeber & Partner

Ansprechpartnerin

Yvonne Zindel, Projektleiterin

Yvonne Zindel forscht und arbeitet seit 2012 in Hamburg und Berlin zu Techniken des Digitalen, u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Staatlichen Museen zu Berlin. Für diese entwickelt sie eine Gesamtkonzeption für die Bildungsarbeit im Humboldt Forum. Frau Zindel publiziert zu Möglichkeiten immaterieller Kunst- und Kulturvermittlung sowie zu den Möglichkeiten neuer Kulturtechniken wie etwa VR / AR im Umgang mit Digitalisaten von Sammlungen. Seit Anfang 2018 ist sie künstlerische Mitarbeiterin an der Universität der Künste zu Berlin. In ihrer kuratorischen Arbeit spielt der Dialog eine große Rolle. Ihre Salonreihe Performing Encounters wurde 2015/2016 mit dem Recherchestipendium der Stadt Berlin ausgezeichnet. Sie war Stipendiatin der nGbK Berlin und wurde für die Performing Encounters mit dem Arbeits-und Recherchestipendium der Stadt Berlin ausgezeichnet. Außerdem war sie Stipendiatin der Akademie Schloß Solitude im Programm art, science & business im Jahr 2018.

E-Mail: yvonne.zindel@iranischegemeinde.de