Der 1. Mai, der internationale Tag der Arbeit, erinnert an die historischen Kämpfe für soziale Gerechtigkeit, Menschenwürde und die grundlegenden Rechte der Arbeiter:innen weltweit.

In diesem Jahr steht der 1. Mai in der Bundesrepublik Deutschland ganz im Zeichen der sich zunehmend verschlechternden Arbeits- und Lebensbedingungen für Arbeiter:innen sowie für alle Erwerbstätigen – bedingt durch regionale Kriege, steigende Militärausgaben, den Abbau sozialer Leistungen, wachsende Energiekosten, zunehmende Inflation, hohe Mieten, unsichere Beschäftigungsverhältnisse und chronische Arbeitslosigkeit. Hinzu kommen wirtschaftspolitische Maßnahmen, die unter dem Vorwand der internationalen Wettbewerbsfähigkeit den Wert der Arbeitskraft mindern, sowie der verstärkte Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz in Produktion und Dienstleistung – ohne ausreichende Berücksichtigung der Interessen der Beschäftigten. All dies hat die Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter verschärft. Laut offiziellen Statistiken ist die Armutsquote in Deutschland im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr von 15,5 % auf 16,1 % gestiegen. Besonders betroffen sind Frauen – insbesondere alleinerziehende Mütter –, ältere Menschen, Jugendliche sowie Menschen mit Migrationshintergrund. Viele von ihnen arbeiten als Leiharbeitskräfte oder über Vermittlungsfirmen zu niedrigen Löhnen. In einem solchen Umfeld nehmen soziale Unzufriedenheit, populistische Tendenzen und rassistische Parolen unter Arbeiter:innen sowie Angestellten zu, und der soziale Frieden gerät in Gefahr.

Auch im Iran wird der internationale Tag der Arbeit in diesem Jahr unter schwierigen Bedingungen begangen. Die Bevölkerung sieht sich mit umfassenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krisen konfrontiert – Krisen, die in ineffizienten, repressiven und gegenüber den Lebensbedürfnissen der Menschen gleichgültigen Strukturen wurzeln. Diese Probleme sind weder vorübergehend noch ausschließlich auf kriegsbedingte Umstände zurückzuführen, sondern das Ergebnis jahrelanger Misswirtschaft, struktureller Unfähigkeit und offensichtlicher Missachtung der Lebensrealität der Bevölkerung durch die totalitäre Herrschaft der Islamischen Republik. Anstatt die Volkswirtschaft zu stärken und die Arbeitskräfte zu unterstützen, haben politische Entscheidungen die sozialen Grundlagen der Gesellschaft geschwächt. Seit Jahren gehören weit verbreitete Arbeitslosigkeit – insbesondere unter Jugendlichen, Frauen, Arbeitern und sogar Hochschulabsolventen – zu den zentralen Herausforderungen. Viele Beschäftigte leben unter prekären Bedingungen mit befristeten Verträgen, unzureichenden Löhnen und fehlender Arbeitsplatzsicherheit. Galoppierende Inflation, sinkende Kaufkraft und mangelnde soziale Unterstützung haben Arbeiter:innen sowie Angestellte in Armut und Not gedrängt.

Wir als Teil der iranischen Diaspora unterstützen die Kämpfe der Arbeiter:innen im Iran sowie ihrer verbotenen Gewerkschaften gegen arbeitnehmerfeindliche Gesetze und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und für die Durchsetzung ihrer sozialen und politischen Rechte – einschließlich der Errichtung einer säkularen, freien und gerechten Gesellschaft.

Menschenwürde, das Recht auf Arbeit und das Recht auf ein würdiges Leben sind universelle Rechte. Schweigen angesichts ihrer Verletzung bedeutet, sie hinzunehmen. Die internationale Gemeinschaft, insbesondere europäische Länder wie Deutschland, trägt eine moralische und politische Verantwortung, das iranische Volk zu unterstützen. Daher erwarten wir von der Bundesregierung, der Europäischen Union und internationalen Institutionen:

    • praktische und kontinuierliche Unterstützung der Rechte der Arbeiter:innen sowie der Proteste der Bevölkerung im Iran;
    • die konsequente Berücksichtigung von Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit in politischen und wirtschaftlichen Beziehungen sowie den Verzicht auf Beschwichtigung gegenüber dem repressiven Regime;
    • das Hören der Stimmen der Menschen im Iran und kein Schweigen gegenüber Unterdrückung.

An diesem Tag unterstützen wir zugleich die Forderungen der Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen in Deutschland, insbesondere den Kampf gegen jede Form von Diskriminierung am Arbeitsplatz – vor allem geschlechtsspezifische Diskriminierung und Diskriminierung aufgrund der Herkunft. Wir fordern gleiche Rechte und Chancen für alle, insbesondere im Kontext der Veränderungen durch die Digitalisierung der Arbeitswelt. Darüber hinaus unterstützen wir die Forderung von Arbeitnehmerorganisationen, dass die neue Bundesregierung Sondervermögen für die Verbesserung der Infrastruktur und der Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung einsetzen soll.

Der 1. Mai ist nicht nur ein Datum im Kalender – er ist ein Anlass, uns an unsere Verantwortung für die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit zu erinnern.