Pressemitteilung der IGD zum Internationalen Frauentag – 8. März 2026

Der 8. März erinnert uns jedes Jahr daran, dass die Gleichberechtigung von Frauen und Männern weltweit noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. Trotz bedeutender Fortschritte bleibt der Weg zur tatsächlichen Gleichstellung lang und erfordert weiterhin gesellschaftliches und politisches Engagement.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland zeigt sich, dass Gleichberechtigung trotz fortschrittlicher gesetzlicher Rahmenbedingungen noch nicht vollständig verwirklicht ist. Frauen verdienen in vielen Branchen weiterhin weniger als ihre männlichen Kollegen, sind in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert und sehen sich am Arbeitsplatz Diskriminierung sowie psychischer Gewalt wie Mobbing ausgesetzt. Zudem wird auf Femizide sowie auf die zunehmende Abwertung und Gewalt gegen Frauen in Medien und Öffentlichkeit oftmals nicht ausreichend reagiert.

Besorgniserregend ist darüber hinaus der wachsende Einfluss rechtsextremer Kräfte, die Frauenrechte infrage stellen und versuchen, die gesellschaftliche Rolle von Frauen auf traditionelle Rollenbilder zu beschränken.

Die Iranische Gemeinde in Deutschland erklärt ihre ausdrückliche Solidarität mit den zivilgesellschaftlichen Initiativen und Bewegungen von Frauen in Deutschland, die sich gegen Diskriminierung einsetzen und für tatsächliche Gleichstellung kämpfen.

Gleichzeitig erinnert uns der Internationale Frauentag angesichts der Situation von Frauen in vielen Ländern – insbesondere im Iran – daran, dass Gleichberechtigung nur in politischen Systemen verwirklicht werden kann, die auf Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit basieren. Die Erfahrungen der vergangenen 47 Jahre im Iran zeigen deutlich, dass in einem religiösen, totalitären System, das Frauen systematisch kontrolliert und unterdrückt, die Verwirklichung grundlegender Bürgerrechte faktisch unmöglich ist.

Seit mehr als vier Jahrzehnten werden Frauen im Iran brutal unterdrückt, selbst wenn sie für ihre elementarsten Rechte eintreten. Dennoch stehen sie mutig an der Spitze einer Bewegung, die für Freiheit, Würde und ein selbstbestimmtes Leben kämpft. Ihr Engagement hat den Leitspruch „Frau – Leben – Freiheit“ zu einem zentralen Symbol des gesellschaftlichen Widerstands gemacht.

Diese Kämpfe erreichten im Januar 2026 einen neuen Höhepunkt. Frauen und Männer im Iran traten gemeinsam in einen landesweiten Protest für das Recht auf ein freies und würdiges Leben ein und forderten das Ende eines Systems, das für Unterdrückung, Ungleichheit und politische Unfreiheit steht.

Im Verlauf dieser Proteste wurden Zehntausende Menschen brutal unterdrückt. Tausende Frauen, junge Menschen und auch Kinder verloren ihr Leben. Sicherheitskräfte setzten Schrot- und scharfe Munition gegen Demonstrierende ein; Zehntausende wurden verhaftet, gefoltert oder sind weiterhin von Hinrichtung bedroht.

Trauernde Familien stehen unter massivem Druck. In einigen Fällen wurden die Leichname getöteter Töchter nicht an ihre Angehörigen übergeben. Viele Familien wissen bis heute nicht, was mit ihren inhaftierten Kindern geschehen ist. Berichte über verstümmelte Leichname ermordeter Frauen verstärken den Eindruck systematischer Brutalität. Diese Ereignisse haben der Welt erneut vor Augen geführt, dass dieses System jede moralische und politische Legitimität verloren hat.

Der 8. März 2026 ist für uns daher ein Tag der Solidarität mit den Frauen im Iran und mit allen Iranerinnen und Iranern in ihrem Streben nach Freiheit.

Die Iranische Gemeinde in Deutschland richtet aus diesem Anlass folgende Forderungen an die Bundesregierung:

  1. Konsequente Außenpolitik für Frauenrechte
    Die Bundesregierung sollte eine klare und konsequente Haltung zur Verteidigung der Rechte iranischer Frauen einnehmen und Menschenrechtsverletzungen im Iran systematisch in der deutschen Außenpolitik, auf EU-Ebene sowie in internationalen Gremien – insbesondere im UN-Menschenrechtsrat – thematisieren.
  2. Konsequente Sanktionen gegen Verantwortliche
    Gegen Personen und Organisationen, die an der Unterdrückung von Frauen, an Verhaftungen, Folter, Todesurteilen und organisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen beteiligt sind, müssen im Rahmen der EU-Menschenrechtssanktionen wirksame Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören insbesondere Vermögensbeschlagnahmungen und das Einfrieren von Bankkonten in Europa.
  3. Unterstützung internationaler Aufklärung und Strafverfolgung
    Deutschland sollte internationale Mechanismen zur Wahrheitsfindung und strafrechtlichen Aufarbeitung unterstützen, insbesondere UN-Fact-Finding-Missionen sowie die Anwendung des Weltrechtsprinzips im deutschen Justizsystem zur Verfolgung schwerer Menschenrechtsverbrechen nach dem Völkerstrafgesetzbuch.
  4. Schutz der iranischen Diaspora in Deutschland
    Die Bundesregierung sollte Schutzmechanismen für in Deutschland lebende Iranerinnen und Iraner stärken, insbesondere gegen Einschüchterung, Überwachung und Druck durch Netzwerke des iranischen Regimes. Dazu gehören sichere Meldewege für Bedrohungen sowie rechtliche und sicherheitsbezogene Unterstützung für gefährdete Aktivistinnen und Aktivisten.
  5. Unterstützung iranischer Studierender
    Die Verlängerung von Visa für iranische Studierende – insbesondere für Frauen und Studentinnen – sollte durch den Abbau bürokratischer Hürden, verkürzte Bearbeitungszeiten und spezielle Schutzmechanismen für politisch gefährdete Studierende erleichtert werden.
  6. Konsequente Menschenrechtspolitik gegenüber dem iranischen Regime
    Beschwichtigende politische und wirtschaftliche Beziehungen zur Islamischen Republik sollten beendet werden. Wir erinnern daran, dass sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag 2025 ausdrücklich verpflichtet hat, Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger, insbesondere Frauen, gezielt zu unterstützen.

Auf dieser Grundlage erwarten wir von der Bundesregierung, diese Verpflichtungen transparent und konsequent umzusetzen und die erklärte Unterstützung für die Frauen im Iran in konkrete politische, rechtliche und schützende Maßnahmen zu überführen. Darüber hinaus erwarten wir, dass Deutschland durch eine klare Distanzierung von diesem totalitären Regime den seit Jahrzehnten andauernden Freiheitskampf der iranischen Bevölkerung unterstützt.

„Frau – Leben – Freiheit“ ist heute weit mehr als ein Slogan. Er steht für die Hoffnung auf eine freie, demokratische Zukunft im Iran. Trotz aller Opfer bleibt dieser Ruf ein starkes Symbol für Mut, Würde und den ungebrochenen Wunsch nach Freiheit.

 

Iranische Gemeinde in Deutschland