Migrantenorganisationen gestalten den Diskurs mit

34537185_1838809006141175_2174995627950211072_o„Gemeinsam Demokratie stärken, gemeinsam Werte leben“ lautete der Titel der Stellungnahme der Migrantenorganisationen zum 10. Nationalen Integrationsgipfel am 13. Juni 2018. In Deutschland existieren bereits über 16.000 verschiedene Migrantenorganisationen. Viele von ihnen leisten seit Jahrzehnten einen wertvollen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Integration und Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft – viele davon ehrenamtlich. »Jeder Vierte in Deutschland hat Migrationsgeschichte, aber die Debatten über Asyl und Einwanderung werden ohne Repräsentanten der Betroffenen geführt«, stellte Marta Neüff, Sprecherin des Polnischen Sozialrats, fest. Das bedeutet, dass mehr als 25 Prozent der deutschen Bevölkerung heute einen Migrationshintergrund haben – doch sie sind in allen gesellschaftlichen Bereichen unterrepräsentiert und werden in Fragen, die sie betreffen, unzureichend eingebunden.

Das soll sich nun ändern, denn die Migrantenorganisationen möchten verstärkt Einfluss auf öffentlichen Diskurs nehmen und diesen aktiv mitgestalten. Gemeinsame Interessen sollen dabei im Vordergrund stehen. Zu diesem Zweck wurde die Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen (BKMO) gegründet, die am 04. und 05. Juni 2018 zum zweiten Mal tagte und neben dem Austausch der Migrantenorganisationen untereinander die Verabschiedung einer Geschäftsordnung zum Ziel hatte, diesmal im Sharehaus Refugio in Berlin. Über 60 Organisationen, Dachverbände, Institutionen und hochrangige Vertreter aus der Politik waren vor Ort, u.a. die Bundesministerin Dr. Franziska Giffey, Staatsministerin Frau Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI),  Dr. Markus Kerber und Staatssekretärin Frau Juliane Seifert im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit einem Grußwort.

An der Planung beteiligt waren u.a. die Türkische Gemeinde in Deutschland, der Zentralrat der afrikanischen Gemeinden in Deutschland und die Iranische Gemeinde in Deutschland (IGD), die zu den Organisationen zählt, die seit November 2017 durch eine Strukturförderung des Bundesamtes für Flüchtlinge und Migration (BAMF) gefördert wird. Der Vorsitzende Ehsan Djafari hat bei der Vorbereitung und Planung der BKMO maßgeblich mitgewirkt und den anwesenden Gästen in einer kurzen Einführung zusammen mit Frau Dr. Natalia  Roesler vom Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen für Bildung & Teilhabe das Konzept der BKMO nähergebracht: Bis zur BKMO gab es keine institutionelle, selbstorganisierte Vernetzung von MO auf Bundesebene, denn bisher kamen wir nur auf Einladung der Integrationsbeauftragten, der Ministerien und der Kanzlerin zusammen und die Agenda haben dementsprechend  immer die anderen bestimmt. Es ist sehr erfreulich, dass nun die Organisatoren der BKMO zum zweiten Mal gelungen ist, als Gastgeber zu agieren und selber die relevanten Themen auf die Agenda der Konferenz zu setzen.

Als neue Allianz der Zivilgesellschaft und Brücke soll die BKMO wirken: Zwischen den einzelnen Migrantenorganisationen, zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und Mehrheitsgesellschaft. Vorgesehen ist hierbei auch ein Partizipationsrat Einwanderungsgesellschaft, vergleichbar mit dem Deutschen Ethikrat, der beratend auf die deutsche Politik Einfluss nimmt.